Donnerstag, 05.09.2019

15:45 - 17:15

Hörsaal 8

S122

Perioperatives medikamentöses Management im ATZ

Moderation: H.-P. Thomas, Berlin; N. Andrejew, Crailsheim

Empfehlungen der AG Alterstraumatologie der DGG

Das medikamentöse Management im perioperativen Setting ist komplex. Multimorbidität und Polypharmakotherapie erschweren Handlungsempfehlungen und damit ein zielgerichtetes Vorgehen.

Das Symposium nähert sich am Beispiel von 5 Kernproblematiken dem Thema: Übergeordnet beleuchten wir schlaglichtartig die Themen Multimedikation und Niereninsuffizienz. Darüber hinaus wollen wir mit Ihnen Empfehlungen zum perioperativen Management in Bezug auf Delirprophylaxe/-therapie, Antikoagulation, Schmerztherapie und Umgang mit Diabetikern diskutieren. Die Vorträge fokussieren dabei auf Patienten im alterstraumatologischen Setting. Ziel ist es, perspektivisch konsentierte Handlungsempfehlungen zu erstellen. 

15:45
Empfehlungen zum Umgang mit Multimedikation im perioperativen alterstraumatologischen Setting
S122-01 

N. Andrejew; Crailsheim

Multimorbidität geht in der Regel mit Multimedikation einher. Diese ist durch Interaktionen oder Fehlanwendungen mit Risiken verbunden. Multimorbidität erfasst alle gleichzeitig bestehenden Erkrankungen einer Person. Notwendige Multimedikation: Auch bei bewusster Verordnungsweise wird der gemeinsam mit dem multimorbiden Patienten konsentierte Therapieplan oftmals mehr als 5 Substanzen umfassen. 

Der Vortrag beschäftigt sich mit übergeordneten Überlegungen zur besseren Therapiesteuerung im perioperativen Setting bei alterstraumatologischen Patienten. 

16:00
Medikamentöses perioperatives Delirmanagement bei alterstraumatologischen Patienten
S122-02 

H.-P. Thomas, R. Eckardt-Felmberg; Berlin

Delirien treten bei postoperativen Patienten häufig auf, abhängig von der Art des Eingriffs und der Studienpopulation (35-65% bei hüftgelenksnahen Frakturen und 9-15% bei elektiven orthopädischen Eingriffen). Bis zu 80% der Patienten auf Intensivstationen erleiden ein Delir. Viele Delirien bleiben jedoch unerkannt. Dies betrifft insbesondere die bei älteren Patienten häufigere hypoaktive Form. Delirien führen zu Komplikationskaskaden mit Verlust an Selbständigkeit, erhöhter Morbidität und Mortalität, einer starken Belastung insbesondere des Pflegepersonals sowie hohen sektorenübergreifenden Ausgaben im Gesundheitssystem. Der Vortrag stellt die aktuelle Studienlage hinsichtlich medikamentös präventiver bzw. therapeutischer Ansätze im Hinblick auf das perioperative Delir dar.

16:15
Perioperatives Vorgehen und medikamentöse Therapie bei Diabetikern in Alterstraumatologischen Zentren
S122-03 

R. Eckardt-Felmberg, H.-P. Thomas; Berlin

Die Hälfte älter als 65 Jahre. Diabetespatienten weisen eine erhöhte Morbidität und längere Verweildauern auf. Zudem ist die perioperative Mortalität bei Diabetespatienten erhöht. Dies wird u.a. darauf zurückgeführt, dass Operationen durch verlängerte Nüchternphasen häufig eine Katabolie auslösen und postoperativ antiinsulinär wirkende endogene Substanzen ausgeschüttet werden mit konsekutiv erhöhten Blutzuckerwerten (sog. Postaggressionssyndrom). Entscheidend für das perioperative Risiko sind die Folgeerkrankungen im Hinblick auf die verursachten Organveränderungen sowie die Stabilität der perioperativen metabolischen Situation.

Auch nimmt die Prävalenz von Typ-1 und Typ-3 Diabetikern bei Hochaltrigen zu. Häufig werden diese als Typ-2 Diabetiker „verkannt“, stellen eine besondere Herausforderung dar (erhöhtes Risiko für perioperative Komplikationen, z. B. Ketoazidose). Klinisch ist die Unterscheidung oft nicht eindeutig zu treffen. Messung von Nüchtern-BZ und HbA1c reichen nicht aus. Ein geringer Insulinbedarf und starke BZ-Schwankungen sollten jedoch an primären Insulinmangel denken lassen.

Im Vortrag werden Empfehlungen zur medikamentösen Therapie bei alterstraumatologischen Patienten gegeben sowie übergeordnete Fragen, soweit sie eine Voraussetzung für Therapieentscheidungen bilden, diskutiert.

16:30
Perioperatives Management von Antikoagulantien in der Alterstraumatologie
S122-04 

R. Lenzen-Großimlinghaus; Potsdam

Alterstraumatologische Patienten leiden häufig unter kardiovaskulären Erkrankungen, die eine medikamentöse Beeinflussung der Hämostase erfordern. Im Rahmen eines akuten Traumas muss dieser veränderten Gerinnungssituation besonders Rechnung getragen werden. Das peri- und postoperative Blutungsrisiko wird durch die verschiedenen Substanzen unterschiedlich beeinflusst und bedarf daher einer genauen Festlegung, wie lange die entsprechende Substanz abgesetzt werden muss, bevor die notwendige traumatologische Operation durchgeführt werden kann. Je nach Indikation muss zusätzlich ein Bridging mit einer anderen Substanz, meistens mit Heparin, präoperativ erfolgen.

Während die veränderte Hämostase mit Thrombozytenaggregationshemmern nur durch Absetzen und Abwarten der Neubildung von funktionsfähigen Thrombozyten normalisiert werden kann, muss der Einfluss von Vitamin-K-Antagonisten gezielt unterbrochen und je nach Indikation für die Antikoagulation mit Heparin überbrückt werden. Die 4 neuen Nicht-Vitamin-K-abhängigen oder direkten oralen Antagonisten (NOAK = DOAK) weisen dagegen eine einfachere und sicherere Handhabung perioperativ auf. Durch konstante Bioverfügbarkeit ist eine Fixe-dose-Behandlung möglich und routinemäßige Spiegelmessungen entfallen. Die korrekte Dosierung ist allerdings abhängig von der Indikation zur Antikoagulation, dem Alter und Körpergewicht sowie der Nierenfunktion des Patienten. Bei Blutungskomplikationen stehen für alle 4 DOAKs Antidots zur Verfügung, die im Akutfall neben Prothrombinkomplexkonzentraten und Fresh Frozen Plasma zur Normalisierung der Gerinnung eingesetzt werden können. Der Vortrag stellt einige wesentliche Empfehlungen zur Antikoagulantientherapie dar.

16:45
Empfehlungen zum perioperativen Management bei alterstraumatologischen Patienten mit Niereninsuffizienz
S122-05 

P. A. Thürmann; Wuppertal

Die präoperative Risiko durch eine eingeschränkte Nierenfunktion steigt bei älteren Patienten stark an. Das perioperative Management bei diesen Patienten muss entsprechnd eingeschätzt und angepasst werden.

Physiologisch nimmt die Anzahl der Nephrone und damit die GFR bzw. die renale Perfusion ab.  Die Auswirkungen auf Homöostase und z. B. Arzneimittelwirkung sind erheblich. Die renale Ausscheidung von Substanzen wird eingeschränkt. Ätiologisch bestehen häufig internistische Komorbiditäten, die ursächlich für eine Niereninsuffizienz verantwortlich sind oder die renale Situation verschlechtern können (bzw. sich durch die eingeschränkte Nierenfunktion verschlechtern).

Der Vortrag stellt im Kontext alterstraumatologischer Patienten die wesentlichen Forderungen an ein gelunges perioperatives Management im Hinblick auf renale Risiken dar.

17:00
Empfehlungen zur perioperativen medikamentösen Schmerztherapie bei alterstraumatologischen Patienten
S122-06 

C. Drebenstedt, H.-P. Thomas; Friesoythe, Berlin

Die perioperative medikamentöse Schmerztherapie weist gravierende Mängel auf. Perioperative Schmerzen erhöhen das Risiko für chronische Schmerzsyndrome. Auch das postoperative Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko nimmt zu.

Eine gute Schmerzeinstellung ist jedoch in den meisten Fällen problemlos möglich. Im Kontext der alterstraumatologischen Versorgung bedeutet dies ein interdisziplinär abgestimmtes Vorgehen und den Einsatz multimodaler Therapiekonzepte. 

Der Vortrag stellt die Studienlage zum perioperativen Schmerzmanagement dar und diskutiert medikamentöse Therapiestrategien.

Zurück