Freitag, 05.07.2019

10:10 - 11:40

Hörsaal 8

S112

Urologie im Alter

Moderation: K. F. Becher, Stralsund

10:10
Update 2019 der Leitlinie Harninkontinenz bei geriatrischen Patienten, Diagnostik und Therapie. Entwicklungsstufe S2e der AWMF
S112-01 

K. Becher, B. Bojack, S. Ege, S. von der Heide, R. Kirschner-Hermanns, A. Wiedemann; Stralsund, Gießen, Stuttgart, Göttingen, Bonn, Witten

Das Update der S2e Leitlinie Harninkontinenz bei geriatrischen Patienten, Diagnostik und Therapie, eingestellt bei der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlich Medizinischer Fachgesellschaften (AWMF) mit seinen neu überarbeiteten Kapiteln ist für Januar 2019 erfolgt. Die Leitlinie wurde erstmals 2005 und 2008 publiziert und 2009 bei der AWMF eingestellt (Leitlinien-Nr. 84-001). Nach einem update im Jahr 2014 liegt nun ein erneutes update nach Ablauf der Gültigkeit für I/2019 vor. Mit Ausnahme der Kapitel „operative Therapie“, „Duloxetin“, „Parasympathomimetika“ (hier keine aktuellen Entwicklungen) wurden alle Kapitel überarbeitet. Das Kapitel „psychosomatische Aspekte“ wurde wegen der mangelnden Expertise der momentanen Mitglieder der Leitliniengruppe aus dem update 2019 entfernt. Mit dem Kapitel „instrumentelle Harnblasenlangzeitdrainage“ wurde ein neues, relevantes Kapitel eingefügt. Primäre Berücksichtigung fanden randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Studien sowie bereits vorhandene Leitlinien zum Thema. Wo keine randomisierten, plazebokontrollierten Untersuchungen vorlagen oder aus methodischen Gründen prinzipiell nicht durchführbar sind, wurden auch Publikationen anderen Designs (nicht randomisierte Untersuchungen, Fallkontrollstudien) zur Leitlinienerstellung herangezogen. Die Bewertung erfolgte unter dem besonderen Blickwinkel des multimorbiden, multimedizierten, vulnerablen und von Chronifizierung sowie Autonomieverlust bedrohten geriatrischen Patienten. Dies erklärt eine u. U. andere Gewichtung der getroffenen Aussagen bzw. auch andere Schlussfolgerungen für den geriatrischen Patienten. Empfehlungen zum Themenkomplex Assessement und Fragebögen zur Detektion und Quantifizierung von Harninkontinenz werden dargestellt wie auch zum Kapitel instrumentelle Harnblasenlangzeitdrainage.

10:30
Mobilität und Kontinenz: 2 Seiten einer Medaille
S112-02 

S. Ege; Stuttgart

Eine Harninkontinenz tritt mit zunehmendem Lebensalter immer häufiger auf. Bei den über 70-jährigen zu Hause lebenden Menschen sind es etwa 30 %, bei Pflegeheimbewohnern 50-60 %. Die Harninkontinenz ist eines der fünf großen geriatrischen Syndrome und interagiert mit allen anderen. Besonders eindrücklich stellt sich der Zusammenhang mit Mobilitätseinschränkungen und Stürzen dar. Einerseits kann eine Harninkontinenz zur zunehmenden sozialen Isolation mit einer entsprechenden Einschränkung der Mobilität, einem ca. 3-fach erhöhten Sturz- und 1,3-fach erhöhtes Frakturrisiko führen, andererseits können Mobilitätseinschränkungen verschiedenster Ursachen eine Harninkontinenz bedingen. Die unterschiedlichen Interaktionen und ihre therapeutische Beeinflussbarkeit werden in dem Vortrag dargestellt.

10:50
Makrohämaturie als Leitsymptom bei geriatrischen Patienten in der Urologie
S112-03 

A. Wiedemann, L. Küper; Witten

Einleitung: Häufig werden hochbetagte Patienten mit dem Leitsymptom Makrohämaturie aufgenommen, die hier genauer charakterisiert werden sollten.

Methode: 162 Patienten, die wegen Makrohämaturie stationär aufgenommen wurden und mind. 75 Jahre alt waren, wurden in 36 Variablen eingeschlossen, z.B.: „Identification of seniors at risk“ (ISAR) – Punktwert oder Blasenverweilkatheter (BVK) und retrospektiv betrachtet.

Ergebnisse: Die Zahl der Patienten mit BVK vor Aufnahme war signifikant höher als in einer historischen Vergleichsgruppe (Bootsma, AM; Urinary incontinence and indwelling urinary catheters in acutely admitted elderly patients. 2013). Ein Großteil dieser Patienten erlitt die Makrohämaturie im Rahmen einer Autodislokation. Der Nachweis einer bakteriellen Zystitis war nicht signifikant höher als bei Patienten ohne BVK. 75,3 % der Patienten nahmen gerinnungsaktive Medikamente ein. Patienten unter Phenprocoumontherapie waren in 40,6 % der Fälle untertherapiert, in 28,1 % übertherapiert und in 31.2 % zielgerecht behandelt.

Bei der urologischen Abklärung wurde in 24,7 % ein Tumor von Harnblase, Harnleiter oder Prostata als Ursache gefunden. Tendenziell wurde bei BVK-Trägern und bei Patienten mit gerinnungsaktiven Medikamenten seltener ein Tumor diagnostiziert.

Diskussion: Ein liegender BVK stellt einen Risikofaktor für das Auftreten einer Makrohämaturie dar. Besonders bei Patienten mit positivem ISAR-Screening gilt es, der Gefahr der Autodislokation zu entgegnen. Bei BVK und gleichzeitiger Gerinnungshemmung besteht kein zusätzlich erhöhtes Blutungsrisiko.

Bei der OAK mit Phenprocoumon war überraschenderweise nicht die Überdosierung führend. Die urologische Abklärung erbringt in rund einem Viertel auch bei den untersuchten Hochbetagten relevante Befunde und sollte auch bei BVK oder Einnahme gerinnungsaktiver Medikamente nicht vernachlässigt werden.

11:10
Behandlung nach Befund – konservative (nicht medikamentöse) Therapie der Inkontinenz beim geriatrischen Patienten
S112-04 

S. von der Heide; Göttingen

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