Freitag, 06.09.2019

11:00 - 12:30

Hörsaal 8

S222

Freie Beiträge - Klinik

Moderation: P. Dovjak, Gmunden/A

11:00
Assoziation der Änderung eines Frailty Index basierend auf Routine-Laborparameter während eines stationären Aufenthaltes akutgeriatrischer Patienten mit der 6-Monats- und 1-Jahres-Mortalität
S222-01 

J. Jäger, C. C. Sieber, K.-G. Gaßmann, M. Ritt; Nürnberg, Erlangen

Hintergrund: Wir berichten von einer rezenten Analyse des prädiktiven Wertes eines Frailty Index basierend auf Routine-Laborparameter (FI-Lab), gemessen jeweils am Anfang und Ende des stationären Aufenthaltes, und der Änderung des FI-Lab während des stationären Aufenthaltes auf die Mortalität bei Patienten einer Akutgeriatrie (Jäger et al. Clin Interv Aging 2019; 14: 473 -484).

Methoden: 500 akutgeriatrische Patienten mit einem Alter von 65 Jahren oder älter wurden in die Analyse eingeschlossen. Ein FI-Lab basierend auf 21 Routine-Laborparametern (20 Blut- und 1 Urinparameter) wurde an zwei verschiedenen Zeitpunkten - d.h. von Proben zu Beginn und am Ende des stationären Aufenthaltes der Patienten - und die Änderung des FI-Lab während des stationären Aufenthaltes errechnet. Mortalitätsdaten wurden nach 6 Monaten und 1 Jahr erhoben.

Resultate: Während des stationären Aufenthaltes der Patienten konnte eine Verbesserung des FI-Lab erzielt werden (P < 0,05). Der FI-Lab, sowohl am Anfang als auch am Ende des stationären Aufenthaltes, war mit der 6-Monats- und 1-Jahres-Mortalität assoziiert (alle P < 0,05). Dabei war der prädiktive Werte des FI-Lab für die 6-Monats und 1-Jahres-Mortalität zum Zeitpunkt der Entlassung der Patienten höher als zum Zeitpunkt der Aufnahme (beide P < 0,05). Jene Patienten bei denen der FI-Lab während des stationären Aufenthaltes verbessert werden konnte oder zu mindestens gleich blieb hatten eine geringere 6-Monats- und 1-Jahres-Mortalität im Vergleich zu jenen Patienten bei denen sich der FI-Lab während des stationären Aufenthaltes verschlechterte (beide P < 0,05).

Schlussfolgerung: Der FI-Lab, gemessen sowohl am Anfang oder am Ende des stationären Aufenthaltes, und die Änderung des FI-Lab während des stationären Aufenthaltes sind potentiell geeignete Tools zur Risikostratifizierung älterer Patienten einer Akutgeriatrie.

11:15
Comparing the performance of the CARG and the CRASH score for predicting toxicity in older cancer patients
S222-02 

I. Ortland, M. Mendel Ott, M. Kowar, C. Sippel, Y.-D. Ko, U. Jaehde, A. H. Jacobs; Bonn

Background: At advanced age, the prediction of the risk-/benefit ratio of a therapeutic intervention becomes highly important especially in the context of patients with frailty. For predicting toxicity in older cancer patients, the ASCO guideline recommends either the CARG (Cancer and Aging Research Group) or the CRASH (Chemotherapy Risk Assessment Scale for High Age Patients) score. However, it is unclear which score should be preferred.  

Aim: To compare the scores regarding predictive performance in a clinical routine setting.

Patients & Methods: The CARG and the CRASH score were applied in patients ≥ 70 years before start of systemic cancer treatment. CARG score predicts severe overall toxicity; CRASH score is divided into three subcategories, predicting severe overall, hematologic, and non-hematologic toxicity. We captured ≥ grade 3 toxicity according to Common Terminology Criteria for Adverse Events (CTCAE) from medical records. Predictive performance was assessed using logistic regression and the area under the receiver operating characteristic curve (ROC-AUC).

Results: The study cohort comprised n=120 patients (50% female, mean age 77.1 years, 57% solid tumors). The medians of the CARG score (range 0-23) and the combined CRASH score (range 0-12) were 9 and 8, respectively. 81% of patients experienced toxicity; 67% showed signs of hematologic toxicity. The predictive performance of the CARG score and the combined CRASH score was similar for overall toxicity (CARG: Odds ratio (OR) 1.266, P = 0.015; ROC-AUC 0.681, P = 0.010; combined CRASH: OR 1.337, P = 0.029; ROC-AUC 0.650, P = 0.032). For hematologic toxicity, the hematologic CRASH score performed better than the CARG score (CARG: OR 1.048, P = 0.462; ROC-AUC 0.564, P = 0.271; hematologic CRASH: OR 1.602, P = 0.007;   ROC-AUC 0.665, P = 0.005).  

Conclusion: Both scores exhibited similar predictive performance for overall toxicity. For predicting hematologic toxicity, the hematologic CRASH score should be preferred. Application of the scores in clinical routine shall support decision making in oncogeriatric management.  

11:30
Molekulare Bildgebung in der Altersmedizin – Update 2019
S222-03 

A. H. Jacobs; Bonn

Hintergrund: Störungen der Kognition, der Mobilität und der Kontinenz zählen zu den führenden geriatrischen Syndromen und finden sich häufig als Komorbiditäten im Alter. Diese Störungen treten oft im Zusammenhang mit Alterungsprozessen des Gehirns auf. Gehirnalterung umfasst vor allem neuronale Degeneration und vaskuläre Schädigung. Während die Zeichen der vaskulären Schädigung (Stroke, SAE) gut mittels Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) darstellbar sind, können die Zeichen der neuronalen Degeneration und der damit im Zusammenhang stehenden krankheitsspezifischen molekularen Prozesse (z.B. pathologische Proteinablagerung, Mikrogliaaktivierung, Neurotransmission) mittels molekularer bildgebender Verfahren wie der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) dargestellt werden.

In dem Update Molekulare Bildgebung 2018/19 sollen folgende Entwicklungen dargelegt werden:

Amyloid- und Tau-Imaging bei Morbus Alzheimer: Ist das in der Geriatrie sinnvoll oder spielen diese Verfahren eher in der Früherkennung eine Rolle?

Mikroglia-Imaging: Was bedeutet Mikrogliaaktivierung und hat die Mikrogliaforschung eine Relevanz für unseren Alltag in der Geriatrie insbesondere in der Behandlung von Infekt-bedingten Zuständen des Delirs?

Neurotransmissions-Imaging des dopaminergen Systems: Wie lassen sich damit bei Patienten mit Einschränkungen der Mobilität das Ansprechen auf dopaminerg wirksamen Medikamente vorhersagen?

Zusammenfassend soll in dem Vortrag dargelegt werden, wie durch das Verständnis der Verfahren der molekularen Bildgebung alltagsrelevante Therapieentscheidungen in der Altersmedizin beeinflußt werden können. Darüber hinaus werden in diesem Update auch die in dem EU-Projekt „Imaging Neuroinflammation in Neurodegenerative Diseases“ (INMIND) erhobenen Befunde zusammenfassend dargelegt.

Literatur: 

Jacobs AH et al. Noninvasive molecular imaging of neuroinflammation. JCBFM 2012;32:1393-415.

Zhang G et al. Hypothalamic programming of systemic ageing involving IKK-β, NF-κB and GnRH. Nature 2013;497:211-6.

Gabuzda D et al. Physiology: Inflammation links ageing to the brain. Nature 2013;497:197-8.

11:45
Orale Antikoagulation bei älteren Patienten mit Vorhofflimmern
S222-04 

M. Hupfer, M. Gosch; Nürnberg

Hintergrund: Bei älteren Patienten mit nicht – valvulärem Vorhofflimmern ist durch eine orale Antikoagulation eine Reduktion des Risikos für Schlaganfälle und systemische Thromboembolien möglich. Trotz der wissenschaftlichen Evidenz ist eine fehlende Antikoagulation ein Beispiel für eine medikamentöse Unterversorgung, insbesondere im höheren Lebensalter. Durch die neuen oralen Antikoagulantien kommt es zwar zu einer deutlichen Verbesserung der Versorgungssituation, allerdings besteht weiterhin ein Trend hochbetagten Patienten diese Therapie vorzuenthalten beziehungsweise bei Verordnungen eher im niederen Bereich zu dosieren.

Im Rahmen unserer Studie untersuchen wir die Qualität der Versorgung von älteren Patienten mit nicht – valvulärem Vorhofflimmern in einer Abteilung für Akut – Geriatrie an einem Schwerpunktkrankenhaus. Dabei wird beleuchtet, ob eine korrekte Indikationsstellung für eine orale Antikoagulation, unter Beachtung relevanter Kontraindikationen, stattgefunden hat. Auch die richtige Dosierung, mit besonderer Aufmerksamkeit hinsichtlich einer möglichen Unterdosierung, soll eine besondere Rolle spielen.

Methoden: Bei der vorliegenden Studie handelt es sich um eine retrospektive Querschnittsstudie. Eingeschlossen wurden alle Patienten > 85 Jahre mit der Diagnose nicht – valvuläres Vorhofflimmern, welche im Jahr 2018 stationär aufgenommen waren. Insgesamt werden die Daten von 350 Patienten erhoben. Anhand der Krankengeschichten werden eine korrekte Indikationsstellung für eine orale Antikoagulation, unter Beachtung relevanter Kontraindikationen, sowie die richtige Dosierung, mit besonderer Berücksichtigung hinsichtlich einer möglichen Unterdosierung ausgewertet. In die Beurteilung fließen auch spezifisch geriatrische Aspekte ein, wie Stürze, der Charlson Comorbidity Index oder die Pflegekategorisierung.

Ergebnisse: Die erhobenen Daten und Resultate werden im Rahmen des Kongresses vorgestellt. Neben einer Evaluierung der eigenen Qualität, erwarten wir uns auch interessante Daten zur Verschreibung von oralen Antikoagulantien durch Geriater für ältere Patienten.

12:00
Arzneimittel für geriatrische Patienten in Deutschland: Aktueller Stand der regulatorischen Anforderungen und klinischen Realität
S222-05 

M. Drey, G. Gempel-Drey; München, Bruckmühl

Hintergrund: Ältere Patienten sind die hauptsächlichen Konsumenten von Medikamenten, werden jedoch am häufigsten von den Zulassungsstudien ausgeschlossen sind. Verschiedene regulatorische Vorgaben der International Conference on Harmonisation (ICH) und der European Medicines Agency (EMA) versuchen die Entwicklung und die sichere Anwendung von Arzneimitteln für ältere Patienten sicherzustellen.

Fragestellung: Diese Arbeit überprüft die Fachinformation von ausgewählten in Deutschland zugelassenen Medikamenten bezüglich spezifisch geriatrischer Information für Verschreiber zur Behandlung von Patienten über 65 Jahre.

Material und Methoden: Basierend auf dem jährlich erscheinenden Arzneiverordnungsreport wurden Medikamente, die entweder überwiegend (über 80%) oder in großer Menge bezüglich der täglich verordneten Dosen (Defined Daily Dose, DDD > 400) an Patienten über 65 Jahre im Jahr 2016 abgegeben wurden, auf relevante geriatrische Information hin überprüft.

Ergebnisse: Im Mittel war die Übereinstimmung der untersuchten Medikamente bezüglich der von der EMA geforderten geriatrischen Information 27%. Am häufigsten (68%) wurde der geriatrische Patient zumindest in der Fachinformation genannt. Information über die Dosis oder Dosisanpassung für Patienten mit einem bestimmten Frailty-Status wurde von den Pharmazeuten nicht berichtet.

Diskussion: Die gegenwärtige Information in der Fachinformation für einen sicheren und effektiven Gebrauch von Medikamenten für ältere Patienten ist unzureichend und nicht gemäß den Vorgaben der EMA. Verglichen mit der Zulassung in der Pädiatrie, bei der die Industrie gezwungen ist einen speziellen Untersuchungsplan (Paediatric Investigation Plan (PIP)) einzureichen um den speziellen Bedürfnissen dieser Patientengruppe zu genügen, wäre ein verpflichtender geriatrischer Untersuchungsplan (Geriatric Investigation Plan (GIP)) ähnlich dem PIP eine adäquate Maßnahme um sichere und effektive Medikamente für ältere Patienten zu erhalten.

12:15
Klinische Relevanz der zerebralen Amyloidangiopathie (CAA)
S222-06 

K. E. Brogmus; Woltersdorf

Die CAA entsteht durch Ablagerung des Ab (1-40) Proteins in der Adventitia von Arteriolen vorwiegend in leptomenigealer Lokalisation. Es ist ein Abbauprodukt des Amyloid - Precurser Proteins, dessen andere pathologische Abbauprotein, das Ab (1-42) Protein,  sich beim M. Alzheimer extrazellulär im Hirngewebe ablagert. Im cMRT lässt sich eine mögliche oder wahrscheinliche Amyloid Angiopathie durch multiple, lobär lokalisierte zerebrale Mikroblutungen (CMBs) oder eine superfizielle Siderose in den T2* oder sw Sequenzen des cMRT`s nachweisen. Klinisch manifestiert sich die CAA durch lobäre intrazerebrale Blutungen (ICBs) oder durch spontane fokale subarachnoidale Blutungen mit Aura oder TIA artiger Symptomatik. Eine weitere Manifestationsform ist die meist reversible inflammatorische Amyloidangiopathie (CAA-ri), die in der Regel gut auf Prednisolon in einer Dosis von 1 mg je kg KG anspricht. Darüber hinaus ist die CAA vergesellschaftet mit einem höheren Risiko für eine gemischte Demenz und für ischämische Hirninfarkte.

An Hand von eigenen Fällen wird die Symptomatik und Theapieoptionen von 3 Verlaufsformen der CAA vorgestellt: CAA-ri, fokale Subarachnoidalblutung bei disseminierter Siderose, sowie CAA mit multiplen CMBs und ischämischen Hirninfarkt bei VHF.

Vermehrt wird die Frage diskutiert, ob Pat. mit einer CAA bei VHF antikoaguliert werden sollen. Bei einer disseminierten superfiziellen Siderose besteht das höchste ICB Risiko, Zur Antikogulation gibt es keine Empfehlung. Bei Zustand nach ICB und CAA rät z. B. P. Berlit von einer Antikoagulation ab; auch nach neueren Zahlen ist im Verlauf von 3 Jahren mit einer Rezidivblutungsrate von 28,7 % auszugehen. Liegen lediglich CMBs vor, ist das jährliche Ischämierisiko (9,3 %) deutlich höher als das ICB-Risiko (3,6 %); allerdings gleicht sich bei mehr als 5 CMBs das Risiko zunehmend an. Nach neueren Registerdaten und retrospektiver Auswertung verschiedener Studien scheint jedoch das Risiko einer Rezidivblutung durch Antikoagulation nicht wesentlich zu steigen, während das Infarktrisiko bei CAA deutlich erhöht ist. So sollen antikoagulierten CAA Patienten ein besseres   Outcome, weniger Schlaganfälle jeglicher Genese und eine längere Überlebenszeit haben. Letztlich können Fragen zum Nutzen der Antikoagulation erst dann abschließend beantwortet werden, wenn die jetzt laufenden Studien zur Antikoagulation nach ICB beendet sein werden, die auch Patienten mit CMBs einschließen (z. B: SoSTART bis 2023).

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