Freitag, 06.09.2019

08:00 - 09:30

Hörsaal 9

S213

Schlaganfall - Update 2019

Moderation: U. Kuipers, Husum; C. von Arnim, Ulm

Schlaganfall ist die häufigste neurologische Erkrankung. Mit zunehmendem Alter nimmt die Erkrankung zu. Pathogenetisch spielen dabei cerebro- und cardiovaskuläre Alterungsprozesse eine entscheidende Rolle. Der Schlaganfall führt häufig zu Einschränkungen der Motorik, der Kognition und der Sprache als maßgebliche Parameter der Alltagsfunktion (ADL). Damit sind die Funktionalität und damit die Selbstständigkeit älterer Menschen substanziell gefährdet. In dem Symposium sollen die neuesten Entwicklungen zur Akuttherapie, Sekundärprävention und Rehabilitation des Schlaganfalls im Alter diskutiert werden. Dazu werden geriatrische und neurologische Aspekte gleichermaßen im Sinne einer neurogeriatrischen Arbeitsweise in den Blick genommen.

08:00
Primär- und Sekundärprophylaxe
S213-01 

A. H. Jacobs; Bonn

Hintergrund: Sarkopenie und Frailty, Gangstörungen und Stürze, kognitive Einschränkungen und Demenz, zählen zu den führenden geriatrischen Syndromen und finden sich häufig als Komorbiditäten im Alter. Sie führen zur Einschränkung der Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL), gefährden die Selbständigkeit und führen zur Pflegebedürftigkeit. In der Entwicklung dieser geriatrischen Syndrome spielt häufig der Schlaganfall eine Rolle. Dabei sind insbesondere Hemiparese, Aphasie und Schluckstörung mit Einschränkungen der ADL und einer erhöhten Morbidität und Mortalität vergesellschaftet. Das Ausmaß der vaskulären Schäden des Gehirns (SAE) wird als „brain frailty“ bezeichnet.

Folgende Updates aus 2018/19 zur Akutbehandlung und Sekundärprophylaxe des Schlaganfalls im höheren Lebensalter sollen in dem Vortrag erörtert werden:

Prophylaxe: Arterielle Hypertonie ist der wichtigste zerebrovaskuläre Risikofaktor. Wie streng sollte die Blutdruckregulation im Alter erfolgen?

Akutbehandlung: wie ist der Nutzen der Akutintervention (z.B. Lyse) im höheren Lebensalter, kann eine Lysetherapie noch effektiv durchgeführt werden ohne dass es vermehrt zu Blutungskomplikationen kommt?

Sekundärprophylaxe: Die kardioembolische Genese des Schlaganfalls bei Vorhofflimmern steht als Ursache im Alter ganz im Vordergrund. Wie sicher ist die orale Antikoagulation insbesondere bei älteren Patienten mit rezidivierenden Stürzen und bei Verwendung neuer Antikoagulantien?

Spezifische Interventionen: Stenose der A. carotis interna (ACI) ist neben Vorhofflimmern die zweithäufigste Schlaganfall-Ursache. Neben Karotisendarterektomie (CEA) stehen Karotisangioplastie und Stenting (CAS) als therapeutische Verfahren in der Behandlung von ACI-Stenosen zur Verfügung. Wie soll die ACI Stenose im Alter behandelt werden?  

Zusammenfassend soll in dem Vortrag dargelegt werden, dass eine spezifische Prävention und Behandlung des Schlaganfalls insbesondere im Alter durchgeführt werden sollte, um ein neues funktionelles neurologisches Defizit und damit Pflegebedürftigkeit und Tod zu verhindern. Einschränkungen bestehen für multi-morbide, bettlägerige oder demente Patienten. Bei geriatrischen Patienten sollte bei allen Entscheidungen Vorgeschichte, individuelle Bedürfnisse, sozialer Kontext und Patientenwunsch beachtet und kontinuierlich während der Therapie berücksichtigt werden.

08:15
Update Akuttherapie im Alter
S213-02 

W. Pfeilschifter; Frankfurt a. M.

Evidenzbasiert wirksame Akuttherapien des Schlaganfalls sind die Behandlung auf einer Stroke Unit (Eröffnung der ersten Stroke Unit in Deutschland 1994) sowie für ausgewählte Patienten die i.v.-Thrombolyse innerhalb von 4,5 h nach Syptombeginn (Zulassung von Alteplase zur Therapie des Schlaganfalls in Europa 2003) und die Thrombektomie bei Großgefäßverschluss (Wirksamkeitsnachweis 2015).

Im Rahmen dieses Vortrags wird berichtet, in wieweit hochbetagte Patienten überhaupt in die randomisierten klinischen Studien aufgenommen wurden, die die Wirksamkeit dieser Akuttherapien belegten und abgeleitet hiervon in wieweit die Evidenz auf diese Patientengruppe zu übertragen ist. Dies wird ergänzt durch Evidenz aus Beobachtungsstudien an Patienten dieser Altersgruppe und daraus abgeleitet Behandlungsempfehlungen für geriatrische Patienten mit akutem Schlaganfall.

08:30
Einfluss von Alter und Frailty auf das funktionelle Outcome nach mechanischer Thrombektomie
S213-03 

C. Werner, O. Nikoubashman, Y. Mahdavi, C. Küppers, M. Wiesmann, J. B. Schulz, A. Reich; Aachen

Fragestellung: Wie beeinflussen Alter und geriatrietypische Multimorbidität als Marker für Gebrechlichkeit das funktionelle Ergebnis nach mechanischer Rekanalisation bei ischämischem Schlaganfall?

Methodik: In einer prospektiven observationellen Studie wurden alle Patienten einer großen universitären Neurologie der Entlassjahre 2016 und 2017 nach mechanischer Extraktion verfolgt. Wir erhoben typische Baseline-Parameter (Alter, Geschlecht, kardiovaskuläre Risikofaktoren, Serum-Glukose, National Institute of Health Stroke Scale [NIHSS] bei Aufnahme), daneben interventionelle Faktoren (iv-Lyse ja/nein, Door-to-Revascularisation-Zeit, Thrombolysis in Cerebral Infarction-Score [TICI-Score]) sowie als funktionellen Marker den modified Rankin-Score (mRS) bei Entlassung und nach 90 Tagen. Als Messgröße für Gebrechlichkeit wurde der Hospital Frailty Risk Score (HFRS) kalkuliert. In einer binären Regression wurden Prädiktoren für ein gutes Ergebnis (mRS < 3 nach 90 Tagen) berechnet.

Ergebnisse: 301 Patienten (155m/146w, 74 [18,0-94,8] Jahre) wurden interveniert. Eine iv-Lyse erhielten 52,8% der Patienten. Die 90-Tages-Mortalität betrug 10,3%. Ein gutes funktionelles Ergebnis erreichten 33,5% der 227 Patienten, für die ein mRS(90 Tage) erhoben werden konnte. Als signifikante Prädiktoren für ein gutes funktionelles Outcome wurden eine erfolgreiche Revaskularisation (=hoher TICI-Score nach Intervention, OR = 1,15 [1,03-1,28]) und die iv-Lyse (OR = 2,34 [1,03-5,39] identifiziert. Die stärksten negativen Prädiktoren waren NIHSS bei Aufnahme (OR = 0,85 [0,79-0,91]) sowie ein hoher Frailty-Score (OR = 0,864 [0,79-0,95]). Negative Prädiktoren mit geringer Effektstärke waren hohes Alter und Serum-Glucose bei Aufnahme (OR = 0,95 [0,92-0,98] und OR = 0,98 [0,97-0,99], jeweils).

Diskussion: Gebrechlichkeit gemessen am HFRS ist ein deutlich stärkerer Prädiktor für ein schlechtes funktionelles Ergebnis nach mechanischer Thrombektomie als kalendarisches Alter alleine und von der Effektstärke mit dem NIHSS vergleichbar. Gebrechlichkeit sollte in klinische Algorithmen sowie bei der Rehabilitationsplanung einbezogen werden.

08:45
Neues zu ICB und DOAKs im Alter
S213-04 

C. Förch; Frankfurt a. M.

Intrazerebrale Blutungen stellen eine klinisch oft besonders schwer verlaufende Form des akuten Schlaganfalls dar. Insbesondere bei älteren Menschen ergibt sich aufgrund der schlechten Prognose nicht selten die Notwendigkeit zur Therapielimitierung unter Beachtung des mutmaßlichen Willens des Patienten. Im Vortrag werden zunächst die Pathophysiologie und die häufigsten Ätiologien intrazerebraler Blutungen beleuchtet. Anschließend werden die (wenigen) zur Verfügung stehenden Therapiemöglichkeiten diskutiert. Insbesondere wird hierbei auch auf die Möglichkeit eingegangen, im Falle einer unter einer Antikoagulation mit Marcumar bzw. DOAK auftretenden Hirnblutung ein „reversal“ der Gerinnungshemmung vorzunehmen. Im letzten Teil des Vortrags werden Besonderheiten des Themenkomplexes im geriatrischen Patientenkollektiv diskutiert. Hierbei wird anhand von Fallbeispielen auch die Indikation zur Wiederaufnahme einer Antikoagulation nach einer stattgehabten intrazerebralen Blutung bei persistierender Indikation (z.B. Vorhofflimmern) beleuchtet.   

09:00
Laufende Studien in der Neurogeriatrie
S213-05 

W. Maetzler; Kiel

Diese Präsentation widmet sich aktuellen (2018/19), aufsehenerregenden, möglichst mit klinischen Implikationen einhergehenden, und wissenschaftlich herausstehenden Studien im Bereich der Neurogeriatrie. Der Schwerpunkt wird auf vaskuläre und neurodegenerative Erkrankungen gelegt werden. Als Beispiel sei hier eine kürzlich in Lancet Neurology veröffentlichte Studie erwähnt, welche die Interaktion von Frailty (i) mit Auftreten von Demenz und (ii) mit Ausprägung der neuropathologischen Veränderungen im Rahmen der Demenz aufzeigt.

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