Samstag, 07.09.2019

08:00 - 09:30

Hörsaal 9

S313

Geriatrie in der Pflegeeinrichtung - multidimensionale Versorgung

Moderation: R. Neubart, Berlin

Eine große Anzahl geriatrischer Patienten lebt in Pflegeheimen. Deren Versorgung stößt in vielen Bereichen immer wieder auf Grenzen und eine suboptimale Organisation.

Wegen der Komplexität der Gesundheitsversorgung der in der Regel multimorbiden Patienten ergeben sich eine Reihe von Überschneidung mit anderen medizinischen Strukturen, die nicht immer den ganzheitlichen geriatrischen Ansatz verfolgen.

In Diskussion der Arbeitsgruppe wurden verschiedene Problemfelder identifiziert und Vorschläge zur Verbesserung entwickelt.

Das Spektrum der Vorträge reicht von der Notfallversorgung über die Ophthalmologie in bis zu rehabilitativen Maßnahmen, die auch Patienten im Pflegeheim nicht vorenthalten werden dürfen.

Schließlich bekommen wir Einblicke in Versorgungsstrukturen aus der Schweiz, die auch für Deutschland wertvolle Anregungen geben können.

08:00
Mobile Geriatrische Rehabilitation
S313-01 

I. F. Cuvelier; Karlsruhe

Die Mobile Geriatrische Rehabilitation ist eine Sonderform der ambulanten Rehabilitation mit aufsuchendem Angebot. Ein multiprofessionelles mobiles Rehabilitationsteam betreut Rehabilitanden in ihrem gewohnten Umfeld: zu Hause, im Betreuten Wohnen, in der Kurzzeitpflege oder im Pflegeheim. Sowohl Menschen mit vorbestehender Demenz und Delir nach Krankenhausaufenthalt als Betroffenen mit hochgradiger Visuseinschränkung, Hörminderung und Sprachstörungen profitieren von dieser Rehamassnahme, da sie mit dem bestehenden Angebot nicht ausreichend versorgt werden können. In einem vom BMG geförderten Forschungsprojekt (2014- 2018) wurde bei ca 22 % von den Pflegeheimbewohnern und bei ca 44 % von den Kurzzeitpflegegästen nach Krankenhausaufenthalt  ein Rehabilitationsbedarf festgestellt.  Bei jeder Person, die ohne Überprüfung der Rehabilitationsfähigkeit in eine Kurzzeitpflege verlegt wird, droht den Übergang in eine Dauerpflege. Mit diesem Beitrag möchten wir die Möglichkeiten aber auch die Grenzen dieser Rehabilitationsform im bestehendem System aus unserer Erfahrungen näher beleuchten.

08:30
Aspekte der ophthalmologischen Versorgung in Pflegeheimen
S313-02 

U. Hennighausen, S. Krupp; Heide, Lübeck

Fragestellung: Der aktuelle Stand der Möglichkeiten der augenärztlichen Versorgung von Bewohner*innen von Alten- und Pflegeheimen sollte erforscht und dargelegt werden.

Methodik: Als Grundlage hierfür wurden die Ergebnisse von ophthalmologischen Feldstudien in Seniorenheimen, insbesondere die der Studie OVIS (Ophthalmologische Versorgung in Seniorenheimen) der Stiftung Auge sowie die persönlichen Erfahrungen des Autors und der Autorin herangezogen.

Ergebnisse: Es besteht ein eindeutiger Bedarf an augenärztlicher Versorgung der Bewohner*innen von Alten- und Pflegeheimen. Die am häufigsten gefundenen Erkrankungen als Ursache für eine Beinträchtigung des Sehens waren  Altersabhängige Makuladegeneration (AMD), Katarakt (Grauer Star) und  Glaukom (Grüner Star). Aufgrund des für eine zeitgemäße optimale augenärztliche Untersuchung notwendigen apparativen Aufwandes wurde eine reguläre augenärztliche Versorgung vor Ort, im Alten- und Pflegeheim, als nicht möglich erachtet. Die Verantwortlichen der OVIS-Studie sprachen folgende Empfehlungen aus: Die augenärztlichen Befunde sollten vor dem Einzug in eine Pflegeeinrichtung standardisiert dokumentiert, das Thema "Auge" sollte in der Pflegeausbildung verstärkt behandelt und der Transport sowie die Begleitung mobiler Bewohner zur augenärztlichen Praxis sollten sichergestellt werden.

Schlussfolgerung: Die augenärztliche Versorgung von Bewohner*innen von Alten- und Pflegeheimen stellt eine Herausforderung dar, die aus der Sicht der Autorin und des Autors eine offizielle Kontaktaufnahme zwischen der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) als sehr sinnvoll und damit sehr wünschenswert erscheinen lässt.

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