Samstag, 07.09.2019

08:00 - 09:30

Hörsaal 4

S311

Gerontopsychosomatik

Moderation: R. Lindner, Hamburg

08:00
Stellenwert der psychosomatischen Grundversorgung in der ambulanten Betreuung älterer Menschen
S311-01 

G. Röhrig-Herzog; Köln

Psychische Erkrankungen spielen eine wichtige Rolle in Bezug auf den physiologischen Alterungsprozess, da sie das gesunde Altern negativ beeinflussen können. Gerade bei multimorbiden geriatrischen Patienten können das Erleben und Verarbeiten körperlicher Defizite zu einer grossen Herausforderung werden, sowohl für die Betroffenen selber als auch für Angehörige und betreuende Ärzte. Mehr als 50% der über 70-Jährigen leiden unter psychopathologischen Symptomen. In internistischen und hausärztlichen Praxen liegt der Anteil psychisch kranker älterer Menschen bei 15-20%. Dennoch sind >60-jährige unter ambulanten Psychotherapiepatienten bisher nur sehr selten vertreten (< 1%). Das zur Optimierung der ambulanten Versorgung psychisch erkrankter Menschen vom Arbeitskreis Psychosomatische Grundversorgung (PGV) der Bundesärztekammer 2001 entwickelte Curriculum „psychosomatische Grundversorgung“ eröffnet insbesondere ambulant altersmedizinisch tätigen ÄrztInnen die Möglichkeit, psychische Probleme bei älteren Patienten sicher zu erkennen und angemessen zu berücksichtigen. Im Rahmen dieses Vortrages soll kasuistikbasiert über die erfolgreiche Anwendung der PGV in einer geriatrischen Sprechstunde berichtet werden.

08:20
Suizidprävention in der Geriatrie: Entwicklungen und aktuelle Fragen
S311-02 

U. Sperling; Mannheim

In diesem Vortrag plädiert der Autor - ausgehend von eigenen Arbeiten - auf suizidale Äußerungen geriatrischer Patientinnen und Patienten einzugehen. Sie sollten nach Möglichkeit zum Ausgangspunkt für das Gespräch über die dahinter stehenden Fragen und Sorgen gemacht werden. Mögliche somatische und psychische Erkrankungen gilt es abzuklären. Neuere Arbeiten zeigen, dass es für die Suizidprävention im Alter nicht ausreicht, allein auf Risiko- und Schutzfaktoren zu schauen, sondern dass die individuelle Konstellation große Aufmerksamkeit verdient. Im Projekt „Suizidprävention Deutschland“ werden derzeit die in Deutschland vorhanden Präventionsansätze gesammelt und bewertet, um Grenzen und Möglichkeiten der Suizidprävention zu beschreiben und Maßnahmen für die kommenden Jahre zu empfehlen. Eine Teilprojektgruppe befasst sich spezifisch mit der Suizidprävention bei alten Menschen.

08:40
Suizidprävention im Pflegeheim
S311-03 

A. Drinkmann; Eichstätt

Alten- und Pflegeheime stellen heute bereits eine verbreitete Wohnform im Alter dar und werden angesichts der zu erwartenden demographischen Entwicklung in ihrer Bedeutung zunehmen. Da hohes Alter einen wichtigen Risikofaktor für Suizidalität darstellt, müssen Pflegeheime diesbezüglich als Hotspots gelten. Ob Suizide hier häufiger sind als bei alten Menschen, die nicht im Heimen leben, ist wissenschaftlich nach wie vor umstritten. Die Forschung zur Suizidalität in Heimen, insbesondere zu den Risiko- und Schutzfaktoren, bietet allerdings eine Reihe von Anknüpfungspunkten für sinnvolle Präventionsmaßnahmen. So ist etwa der Zeitraum rund um den Umzug ins Heim besonders risikoreich. Daraus folgt, dass eine sorgfältige Vorbereitung und Gestaltung dieses Umzugs sowie besondere Aufmerksamkeit und Zuwendung beim Prozess des Einlebens im Heim als suizidpräventiv anzusehen sind. Insgesamt haben sich für die Suizidprävention in Heimen Mehrebenen-Ansätze als sinnvoll erwiesen, die sowohl die Bewohner und deren Angehörige wie auch das Personal und die Leitungsebene in den Blick nehmen. Allerdings muss für das gesamte thematische Feld ein eklatanter Mangel an Forschungsdaten konstatiert werden.

09:00
Somatoforme Störungen in der Geriatrie: Probleme in Diagnostik und Therapie
S311-04 

R. Lindner; Kassel

Somatoforme Störungen stellen ein wichtiges Arbeitsfeld der Psychosomatik dar. Die komplexen, einander verbindenden Aspekte von Körper und Psyche reflektieren sich auch in der Nosologie dieser Störung. Ganz besonders gilt dies für somatoforme Störungen im Alter, stellen doch Multimorbidität und Alterungsprozesse den Körper in seiner individuell geformten Reaktionsweise in den Mittelpunkt sowohl somatischer, als auch psychischer Prozesse. Der Vortrag präsentiert empirische Daten zu somatoformen Störungen im Alter, diskutiert an einer Kasuistik Probleme der psychosomatischen Diagnostik und Behandlung in der Geriatrie und führt zu Konzepten gemeinsamer somatisch-physiotherapeutischer und psychosomatisch-psychotherapeutischer Behandlungen.

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