Samstag, 07.09.2019

11:50 - 13:20

Hörsaal 4

S331

Stoffwechsel und Neurogeriatrie

Moderation: S. Schütze, Frankfurt a. M.; A. Jacobs, Bonn

Die Funktionalität des Zentralnervensystems (ZNS) ist von systemischen Einflußfaktoren abhängig. Neben Entzündungsvorgängen, die eine maßgebliche Rolle bei der Alterung spielen, sind Veränderungen des Zucker- und Elektrolythaushaltes, Vitaminmangelzustände, Anämie und Schilddrüsendysfunktion maßgeblich für (zunächst passagere) Funktionsstörungen des ZNS verantwortlich. Nur die rechtzeitige Erkennung der zugrunde liegenden Erkrankungen können im Alter die Entwicklung von Stürzen mit seinen Folgen oder kognitiven Alterationen inklusive Delir verhindern. Das Symposium soll den Blick schärfen für die systemischen Zusammenhänge mit neurologischen Dysfunktionen. Mit praxisnahen Fallbeispielen wird das Symposium abgerundet.

11:50
Elektrolyte und Nervensystem
S331-01 

R. Nau; Göttingen

Hintergrund: Störungen des Flüssigkeitshaushalts und der Elektrolyte im Plasma sind in der Geriatrie häufig. Sie sind entweder durch die Grunderkrankung oder durch therapeutische Eingriffe verursacht. Während Störungen des Kalium-Haushalts neben kardialen Komplikationen eine Muskelschwäche verursachen können, verursachen Störungen der Natrium- und Kalzium-Homöostase häufig Symptome von Seiten des zentralen Nervensystems.

Ergebnisse: Die häufigste Elektrolytstörung beim geriatrischen Patienten ist die Hyponatriämie. Sie ist ein Indikator für eine erhöhte Sterblichkeit. Häufigste Ursache ist eine hypotone Dehydratation als Folge von Diuretika-Gebrauch bei Herzinsuffizienz und Hypertonie sowie als Komplikation von Durchfällen oder Erbechen. Seltener sind hyper- oder isovolämische Hyponatriämien, bei denen oft ein Syndrom der inadäquaten ADH-Synthese vorliegt. Eine Hypernatriämie ist meist Folge einer Exsikkose. Häufige Symptome sowohl von Hypo- als auch Hypernatriämie sind Lethargie, kognitive Beeinträchtigungen, Desorientiertheit und Bewusstseinstrübungen von Somnolenz bis zum Koma, bei rasch sich entwickelnder Hyponatriämie auch epileptische Anfälle. Um eine pontine Myelinolyse zu vermeiden, soll das Natriumdefizit langsam unter engmaschiger Kontrolle ausgeglichen werden (der Anstieg soll 10 mmol/l in 24h nicht übersteigen). Hypo- und Hyperkaliämie können eine Muskelschwäche verursachen, die klinisch meist weniger bedeutsam ist als die Folgen der gestörten Kalium-Homöostase am Herzen. Während eine Hypokalzämie vorwiegend mit Symptomen von Seiten des peripheren Nervensystems einhergeht, kann die Hyperkalzämie neben einer Muskelschwäche kognitive Beeinträchtigungen und eine Bewusstseinstrübung bis hin zum Koma verursachen. Häufige Ursachen einer Hyperkalzämie in der Geriatrie sind Malignome, ein Hyperparathyreoidismus, die Einnahme von Thiazid-Diuretika und eine Vitamin D-Intoxikation.   

Schlussfolgerungen: Elektrolytstörungen in der Geriatrie mit Symptomen von Seiten des Nervensystems sind häufig. Sie bedürfen besonderer diagnostischer und therapeutischer Aufmerksamkeit, um eine bleibende Schädigung des Patienten zu vermeiden.

12:05
B-Vitamine und Neurologie – Mythen und Fakten
S331-02 

C. von Arnim; Ulm

Die klassischen Vitamin-B-Mangel-Syndrome umfassen Beriberi, Wernicke-Korsakoff Syndrom, Pellagra, Neuroalrohrdefekte und Myelondegeneration. Mangelzustände wurden zuletzt auch als Risikofaktoren für Schlaganfall und Demenz erkannt. Mit zunehmendem Alter kommt es zu erhöhter Prävalenz von Stoffwechselveränderungen sowie zudem einer verstärkten Vulnerabilität diesbezüglich. Diese Veränderungen können gerade bei geriatrischen Patienten häufig Auwirkungen auf das Nervensystem haben, die oft nicht oder zu spät erkannt und eingeordnet werden. Häufig werden jedoch gerade Vitamine unkritisch eingenommen und Ihnen mannigfaltige, unspezifische Eigenschaften zugeschrieben.

In Bezug auf das Wissen um die wasserlöslichen B-Vitamin (B6, B12, Folsäure und Homocystein sowie B1) gab es zuletzt neue Erkenntnisse und Empfehlungen der verschiedenen Fachgesellschaften. In eigenen Untersuchungen haben wir den Zusammenhang mit Kognition im Alter untersucht. Der Stand des diesbezüglichen Wissens wird zusammenfassend dargestellt. Eine differenzierte Darstellung, was bzgl. Therapie und Patientenmanagement beachtet werden sollte, erfolgt. Es wird ein Überblick über Grundlagen, Ursachen und Therapiekonzepte zu B-Vitaminen und den aktuellen Stand der diesbezüglichen Forschung gegeben.

Ziel des Vortrags ist ein Update der relevanten Evidenz in Bezug auf Epidemiologie, Diagnostik und therapeutischem Potential der wasserlöslichen B-Vitamine im Hinblick auf wesentliche geriatrische Erkrankungen des Nervensystems wie Kognition, Demenz und Schlaganfall, aber auch Gangstörungen und Polyneuropathie.

12:20
Anämie und Nervensystem
S331-03 

M. Djukic; Göttingen

Von Anämie wird per definitionem gesprochen, wenn ein Mangel an Hämoglobin im peripheren Blut vorliegt. Die Anämie hat im Alter eine hohe Prävalenz: unter selbstständig lebenden Senioren > 20% und unter hospitalisierten geriatrischen Patienten sogar bis zu 40%. Doch sie ist nicht durch das Alter selbst bedingt. Hinsichtlich des nachgewiesenen schlechten Outcomes von älteren Patienten mit einer Anämie ist vor dem Hintergrund des demographischen Wandels das Verständnis um Pathogenese, Auswirkungen und Therapie von großer Bedeutung. Anders als in der Pädiatrie existiert bis heute in Deutschland keine Leitlinie zu Diagnostik und Therapie der Anämie im höheren Lebensalter. Daher wäre es für Ärzte, die sich der Versorgung älterer Menschen widmen, wichtig, über Orientierungshilfen für ethisch vertretbare und kosteneffektive Diagnostik- und Therapieoptionen zu verfügen. Häufige Ursachen einer Anämie sind Eisen-, Vitamin B12- und Folsäuremangel, verminderte renale Erythropoetinproduktion und ein myelodysplastisches Syndrom. Nicht selten bestehen mehrere Ursachen. Anämien sind mit kognitiven Einschränkungen, multifaktoriellen Funktionsbeeinträchtigungen und einer erhöhten Sterblichkeit assoziiert. Was die erhöhte Morbidität angeht, so leiden ältere Menschen mit Anämie häufiger unter verminderter Lebensqualität, Muskelkraft und Leistungsfähigkeit. Zudem steigen das Sturz- und das Hospitalisationsrisiko sowie das Risiko, Depressionen zu entwickeln. Der Vortrag erörtert neben der Präsentation der eigenen Daten, die Häufigkeit, Ätiologie und die therapeutische Maßnahmen sowie Besonderheiten in der Versorgung von geriatrischen Patienten mit Anämie.

12:35
Diabetes und Schilddrüsenerkrankungen – was ist zu beachten?
S331-04 

R. Dodel; Essen

Diabetes und Schilddrüsenerkrankungen sind in der Allgemeinbevölkerung und insbesondere bei geriatrischen Personen häufig. Diese Erkrankung können zunächst mit neurologischen Komplikationen einhergehen oder auch gleichzeitig bei Patienten auftreten, die an anderen neurologischen Störungen leiden, insbesondere bei Patienten mit einer Autoimmunerkrankung. 

Der Vortrag gibt einen Überblick über die neurologischen Komplikationen und Assoziationen von Erkrankungen der Schilddrüse und des Pankreas. Besonderes Augenmerk wird auf die wichtigen klinischen Erkrankungen, die Diagnostik und Therapie  beim geriatrischen Patienten  gelegt.

12:50
Gangstörungen durch Stoffwechselerkrankungen - Fallbeispiele
S331-05 

K. Jahn; Bad Aibling

Hintergrund: Gangstörungen gehören zu den wichtigsten Leitsymptomen geriatrischer Patienten. Am Gang und an der Qualität der Haltungskontrolle lässt sich auch der generelle Gesundheitszustand recht gut beurteilen. Einfache Parameter wie die Ganggeschwindigkeit korrelieren mit dem allgemeinen Funktionsniveau und mit der Prognose für das Überleben in den nachfolgenden Jahren. Bei geriatrischen Patienten mit ihren oft primär multfaktoriell eingeschätzten Gangstörungen ist die systematische Identifiezierung spezifischer Ursachen eine besondere Herausforderung.

Methoden: Anhand von Videobeispielen wird das systematische Herangehen an das Leitsymptom Gangstörung besprochen. Besonderer Schwerpunkt der Beispiele sind Gangstörungen, die unmittelbar bei und in der Folge von Stoffwechselstöungen auftreten.

Ergebisse und Schlussfolgerungen: Mit Hilfe eines einfachen Algorithmus ist die Identifizierung sensorischer, kognitiver und biomechanischer Teilursachen einer Gangstörung möglich. Vitaminmangelzustände, Medikamente, Alkohol, Elektrolyt- und Glucose-Stoffwechselstörungen führen zu spezifischen Problemen bei der Haltungsregulation und beim Gang. Die Gangbeurteilung eignet sich auch als Surrogatparameter für die Beurteilung des Verlaufs und des Behandlungserfolgs solcher Störungen.

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