Samstag, 07.09.2019

10:00 - 11:30

Hörsaal 8

S322

Update Symptomlinderung

Moderation: M. Pfisterer, Darmstadt; G. Heusinger von Waldegg, Magdeburg

Symposium der AG Geriatrie und Palliativmedizin

Im diesem Jahr wird der zweite Teil der S3 Leitlinie Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung endgültig veröffentlicht werden. Im Rahmen des Symposium werden die Themen der neuen Kapitel aufgegriffen.

10:00
Schlafstörungen/ Nächtliche Unruhe
S322-01 

I. Gehrke; Donaueschingen

Ein- und Durchschlafstörungen sind bei Palliativpatienten häufig. Sie betreffen bei genauerer Nachfrage alle Patienten. Die Frage nach Schlafstörungen sollte daher in der vertieften Anamnese jedes Palliativpatienten Platz finden. Neben der Beachtung allgemeiner schlafhygienischer Faktoren wie etwa regelmäßige Schlafzeiten, Nutzung des Bettes nur zum Schlafen, Verzicht auf Alkohol und starke körperliche Belastung in der Vorschlafphase, ist es gerade bei Palliativpatienten wichtig sekundäre schlafstörende Faktoren zu identifizieren und gezielt zu behandeln.  Eine etwaige Symptomlast in der Nacht, die den Schlaf stört, etwa Durchbruchschmerz oder Dyspnoe, sollte erkannt und gezielt behandelt werden. Umgekehrt können die schlafbegünstigenden Effekte palliativ therapeutischer Maßnahmen und Medikamente genutzt werden, um ohne den Gebrauch von Hypnotika den Schlaf günstig zu beeinflussen. Zu den schlafstörenden Faktoren, die Palliativpatienten in besonderer Weise betreffen, zählt etwa das Restless Legs Syndrom, welches gezielt identifiziert und behandelt werden sollte. Zu beachten ist dass manche Psychopharmaka, etwa Mirtazapin, das Restless Legs Syndrom eher begünstigen.

Im Übrigen folgt der Gebrach von Hypnotika den allgemein üblichen Regeln im Umgang mit den üblichen Substanzklassen, der Frage eines etwaigen Abhängigkeitspotentials kommt in dieser terminalen Lebensphase kaum noch Bedeutung zu.

Zusammenfassend ist zur Behandlung von Schlafstörungen wesentlich, diese korrekt zu erfassen, Krankheits- und symptomassoziierte Faktoren gezielt zu behandeln und im Übrigen schlafhygienische Maßnahmen einzuhalten.

14:17
Maligne intestinale Obstruktion
S322-02 

M. Pfisterer; Darmstadt

Nur im deutschen  Sprachraum werden die Begriffe Ileus und Subileus verwendet. Deswegen wird in der S3-Leitlinie der Begriff der malignen gastrointestinalen Obstruktion (MIO) gebraucht. Darunter wird das Vorliegen eines klinischen und bildgebenden gastrointestinalen Verschlusses aufgrund eines inkurablen intraabdominalen Tumors oder einer intraperitonealen Metastasierung verstanden. Die Prävalenz bei kolorektalen Tumoren liegt zwischen 10% und 28%, bei Ovarialkarzinomen bis zu 50%. Unterschieden wird zwischen kompletten und inkompletten MIO`s. Patienten mit einer MIO leiden häufig unter Übelkeit und Erbrechen, Schmerzen und Obstipation. Kontinuierliche oder kolikartige Schmerzen können durch Tumor, Hepatomegalie oder ausgeprägten Meteorismus verursacht sein. Übelkeit und Erbrechen können intermittierend oder kontinuierlich auftreten. Von der Höhe der Obstruktion im Gastrointestinaltrakt hängt der Schweregrad der Hauptsymptome Schmerzen, Erbrechen und Meteorismus des Abdomens ab. Meistens entwickeln sich die Symptome einer MIO langsam über Tage oder Wochen. In der Regel ist die MIO kein Notfall, da Symptome sehr selten akut auftreten. Obstruktionen können auch intermittierend bestehen mit zeitweiser Rückbildung der Symptome und es kann zu spontanen Rückbildungen kommen. Weiterführende diagnostische Maßnahmen zur Abklärung einer MIO sollen in Abhängigkeit von der klinischen Situation des Patienten, bestehenden systemischen Therapieoptionen, einer möglichen Operabilität und von Vorbefunden erwogen werden.

Die palliativmedizische Behandlung sollte vorrangig in Abhängigkeit von inkompletter oder kompletter Obstruktion nicht medikamentös und medikamentös erfolgen. Die Entscheidung für ein operatives Vorgehen sollte möglichst immer multidisziplinär und partizipativ mit Patienten und Angehörigen getroffen werden. Weitere Themen in der Behandlung sind die Indikation von parenteraler Ernährung, Anlage von Ablaufsonden oder die PEG-Anlage zur Entlastung und Gabe von Laxantien in verschiedenen Situationen.

10:30
Umgang mit dem Todeswunsch
S322-03 

A. Rehlaender; Bielefeld

Todeswünsche (TW): Phänomenologie, Erfassung, Haltungen und Behandlungsstrategien

Ergebnisse: Die Prävalenz von TW liegt bei ca. 30 % der onkologischen Pat. (aktuelle Studie mit n=377), dabei handelt es sich bei 18,3 % d.F. um gelegentliche TW und bei 12,2 % d.F. um ernsthafte TW.

TW erscheinen in einer grossen Bandbreite, welche den Wunsch nach Beschleunigung des Sterbeprozesses, aber auch die Akzeptanz des Todes im Sinne positiven Geschehenlassens und Lebenssattheit umfassen. Der Bezug zur Suizidalität ist komplex und z.B. auch im Falle einer Verbalisierung mit Androhung sein Leben zu beenden von durchaus ambivalentem Apellcharakter.

Es treten auch Fluktuationen und Paradoxien in Bezug auf Lebenswillen und Sterbewunsch auf, sodass der Umgang mit TW eine enorme kommunikative Herausforderung an die professionellen Helfer darstellt. Dabei müssen Ursachen der TW (Symptomlast ?), die tiefere Bedeutung von TW (z.B. Anderen nicht mehr zur Last fallen wollen / Geste eines Altruismus) und Funktion von TW (z.B. die Situation weiter mitbestimmen zu können / Kontrollbehalt über die Selbständigkeit) analysiert werden.

Dabei wirkt proaktives Ansprechen von Suizidalität bereits entlastend auf den Patienten.

Der Rückgriff auf operationalisierte und validierte Instrumente stellt keinesfalls eine sichere Hilfe in der Erfassung von TW dar und kann sich z.T. sogar als kontraproduktiv erweisen.

Die Haltung professioneller Helfer ist zentrales Element eines gelingenden Umgangs mit TW. Kompetente Begleitung beinhaltet dabei durchaus womöglich „nur“ das aktive Aushalten des Leids, ohne Antwort darauf geben zu können. Die Entwicklung einer vertrauensvollen Helfer-Patienten-Beziehung ist dabei eine Kernaufgabe. Psychoanalytische Konzepte von Übertragung und Gegenübertragung werfen ein Licht auf die Brisanz, die in dieser anspruchsvolle Aufgabe steckt.

Die Kenntnis der rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland im Umgang mit Pat. mit TW ist unerlässlich. Die aktuelle Begrifflichkeit (und früher verwendete Begriffe) werden prägnant in Tabellenform dargestellt.

Schlussfolgerung: Zusammenfassend handelt es sich um eine sehr gut strukturierte und differenzierte Handlungsanleitung für alle professionellen Helfer, die im Alltag mit TW ihrer Patienten konfrontiert sind.

10:45
Übelkeit und Erbrechen
S322-04 

H. Orth; Bergisch-Gladbach

Ziel dieses Kapitels ist es, Empfehlungen auf Basis der Evidenzlage bezüglich der antiemetischen Therapie bei Patienten mit nicht-heilbaren Krebserkrankungen mit palliativmedizinischem Versorgungsbedarf vorzustellen, die sich an der komplexen Situation des schwerkranken Menschen orientieren. Hierbei geht es um Linderung von Übelkeit und die Reduktion der Frequenz des Erbrechens durch nicht-pharmakologische und pharmakologische Interventionen.  Das Kapitel gliedert sich nach kurzer Erklärung zu Epidemiologie, Pathogenese, Pathophysiologie und Bewertung bzw. Auswirkung der Symptome in folgende Therapieansätze:

Erfassung der Symptome, Differenzialdiagnose; Therapiegrundsätze symptombezogen bzw. patientenbezogen und nichtmedikamentös bzw. medikamentöse Therapie.

11:00
Maligne Wunden
S322-05 

G. Heusinger von Waldegg; Magdeburg

Die maligne Wunden haben eine Prävalenz zwischen 6,6% und 14,5% aller Tumorerkrankungen. Alle Körperregionen könne betroffen sein, in der Hälfte der Fälle sind die Brust gefolgt Hals und Thorax mit je ca. 20%. Grundlage einer palliativmedizinischen Behandlung ist das Assessment der malignen Wunde mit kompletter Analyse der Wundsituation schriftlich anhand strukturierter Wunddokumentationsbögen zu Beginn der Versorgung und zum weiteren Monitoring regelmäßig im Verlauf. Eine Fotodokumentation unter Beachtung von Datenschutzrichtlinien erleichtert die Verlaufsbeobachtung. Grundsätzlich findet der  Expertenstandard „Pflege von Menschen mit chronischen Wunden“ , der von Fachexperten für Wunden beim Assessment und Management von chronischen nicht-malignen Wunden verbindlich etabliert wurde, auch in der Versorgung von malignen Wunden Anwendung. Maligne Wunden gehen häufig mit weiteren Symptomen, wie Wundschmerzen, Exsudation, Geruchsbildung, Juckreiz und unstillbaren Blutungen einher. Neben den unmittelbaren Problemen der malignen Wunden, kommt neben den psychischen Folgen für die Betroffenen und ihre Zugehörigen, auch der Belastung des Teams z.B. durch Geruchsbildung eine große Bedeutung zu. Wie bei allen Wunden ist die Sicherstellung der kontinuierlichen, schnittstellenübergreifenden Wundversorgung vorrangig. Das gilt besonders für in ihrer Selbstversorgungsfähigkeit eingeschränkten älteren Patienten.

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